SÍSIFO

Sisyphus war allein – Weblog säkular humanistischer Weltbürger

e. Verhüllung?!

Verhüllung unter besonderer Berücksichtigung der Burka

Unter Verhüllung verstehen wir hier das Aufkommen der menschlichen Kleidung. Nicht eindeutig aus evolutionsbiologischer Sicht ist die Wissenschaft zu klaren Erkenntnissen gekommen. Eine Theorie besagt, der Mensch verlor sein Fell, weil das Feuer aufkam, eine andere, dass “die Haarlosigkeit (…)” einherginge “mit dem Aufkommen von Kleidung, um Ungezieferbefall leichter verhindern zu können.” (Quelle: “Nacktheit und Verhüllung”). Für säkulare, humanistische Weltbürger schon gut nachvollziehbar. Die nackte (“klamottenfreie”), haarlose Yanomami-Bevölkerung im tropischen Regenwald – lange Haare nur auf dem Kopf – kommt allerdings noch gut zurecht mit Insekten und anderem Getier. Nur mit der bekleideten “Zivilisation” gibt es reichlich Zoff.

Die Christen-Version bereitet uns da schon leichte Kopfschmerzen: “Im Schöpfungsmythos der Bibel wird von der unschuldigen und sündhaften Nacktheit gesprochen. Diese unschuldige natürliche Nacktheit geht mit dem Sündenfall in die sündhafte Nacktheit über. Nachdem Adam und Eva vom Baum der Erkenntnis gegessen haben werden sie sich ihrer Nacktheit erst bewusst und sie beginnen einander zu begehren” (Zitat ebda. siehe oben). In Bezug auf Kleidungsvorschriften im Koran für Muslime wird erklärt, dass (…) “der Koran als autoritative Quelle islamischer Lebensführung (…) jedoch nur wenige konkrete Bekleidungsvorschriften” kennt. “Demnach soll die Kleidung eines Muslim einfach und gepflegt sein. Allah habe den Menschen Kleidung gegeben, um sich gegen Hitze und Kälte zu schützen sowie die intimen Körperteile zu bedecken…(…) Für Muslime in westlichen Ländern wird hingegen – abgesehen von Muslimen, die islamistische Positionen unterstützen – die Kleidung als Symbol für eine neu gewonnene Identität als Muslime bedeutsam” (….)…...weiter lesen….

Exkurs: Wir dürfen nicht vergessen zu erwähnen, dass sich Europa von der ziemlich hochverschlossenen, fast alles bedeckenden Kleiderordnung ziemlich befreit hat, zumindest optisch. Ob gleichzeitig die Befreiung aus belastenden Rollenklischees, Befreiung von Unterdrückungsmechanismen oder einschränkenden Abhängigkeiten zu einem selbstbestimmten Leben damit einhergehen, müsste noch zur Beurteilung verfolgt werden. Sísifo meint, dass der Servilismus gegenüber den Kirchen andauert und die (säkulare) Trennung von Kirche und Staat noch lange nicht vollzogen ist, wie es von der Verfassung, dem Grundgesetz und den Menschenrechten vorgesehen ist.

Das Symbol für eine neu gewonnene Identität als Muslime ist vermutlich auch die Burka. Die Taliban in Afghanistan machten sie zur Pflicht für Frauen. Dort ist diese allerdings wieder der Pflicht enthoben, wird trotzdem nicht fehlen in der Öffentlichkeit. In Europa gibt es da etliche Probleme. Burka-Verbote – genauer: eigentlich das Verbot der Ganzkörperverschleierung von muslimischen Frauen – führt zu vielen Diskussionen zwischen Irland und Griechenland, Schweden und Spanien. Die Reaktion ist unterschiedlich. Das belgische Parlament  beschloss ein Verbot der Vollverschleierung. Andere Staaten in Europa wollen ebenso Verbote der Ganzkörperverschleierung. Zeit-Online berichtet von einem Prediger in Saudi-Arabien, der Muslime auffordert auzureisen  – Im österreichischen Fernsehen ORF 2 wird die Fragestellung gewagt: “Die Burka, ein Ganzkörpergefängnis”? (vergl. You Tube Video Mehr als ein Stück Stoff – Debatte über Burka Verbot hält an – Dieses Video halten wir auch für unsere Leser unten bereit).

Sísifo unterstützt die Forderung, dass die demokratischen Grundrechte garantiert werden müssen, aber dass deren “Einschränkungen” ebenso Berücksichtigung in der Debatte finden sollten unter Beantwortung vieler Fragestellungen: Wie steht es um die Verbindung von Politisierung der Religion zur Durchsetzung von Macht und der Religionsfreiheit? Wie steht es um eine öffentliche Debatte über das Recht des Kindes, “verschont” zu werden vor religiösen Handlungen (z. B. Taufe, Konformandenunterricht, Koranschule) und dem darüber “gestülpten” Elternrecht?

Sehr provokativ folgendes ….. nicht zu vergleichen? ……vielleicht doch?….:

Warum soll die Ganzkörperverschleierung im öffentlichen Leben nicht verboten werden aber das Recht auf Nacktheit in der Öffentlichkeit? Wer entscheidet, was Ästhetisierung des öffentlichen Raumes ist? ….der Staatschef Gaddafi aus Libyen im Aufruf zum Heiligen Krieg gegen die Schweiz? ….bestehend aus einer “ungläubigen Rasse”? (vergl. You Tube “Burka Verbot Heiliger Krieg gegen die Schweiz”). “Niemand soll in seiner persönlichen Freiheit und in seiner Religionsausübung eingeschränkt werden. Die Freiheit darf aber nicht so weit gehen, dass man Menschen öffentlich das Gesicht nimmt. Jedenfalls nicht in Europa….” lesen wir unter Wikipedia. Es geht aber auch nicht bei der Burka und ähnlicher Verhüllung nur um das Gesicht, sondern um die Verhüllung des gesamten Köpers. Wird die Verhüllung von Männern diktiert, von Allah befohlen, von Frauen freiwillig bevorzugt…., sie passt zumindest nicht in den europäischen Wertekanon, zeigt ein “aufdringliches Bekenntnis zu Werten, die wir in Europa nicht teilen” (Wikipedia ebda.).

Ob das Burka-Tragen im Koran eine Art “heilige Pflicht” sei, wird nicht eindeutig von Koran-Kennern beantwortet. Aber es soll sein, dass der Koran die Hauptquelle des “islamischen Gesetzes” ist, “eine Kopie des bei Gott (Allah) befindlichen „Buchs aller Bücher“.. (Wikipedia “Koran”) – Sure 24, Vers 31: “Und sprich zu den gläubigen Frauen, dass sie ihre Blicke zu Boden schlagen und ihre Keuschheit wahren und ihre zu schmückenden Stellen nicht zur Schau tragen sollen – Sure 33, Vers 59: “O Prophet! Sprich zu deinen Frauen und deinen Töchtern und zu den Frauen der Gläubigen, sie sollen ihre Übergewänder (Jilbab) reichlich über sich ziehen. So ist es am ehesten gewährleistet, dass sie (dann) erkannt und nicht belästigt werden. Und Allah ist Allverzeihend, Barmherzig” (Quelle: GuteFrage). Verhüllung gottgewollt? Frauendiskriminierend? Instrumentalisierend durch Anheben der Religion auf eine Machtplattform? Von jedem etwas? Aber nicht säkular!

Anhänger der “Freien Körperkultur und Nacktheit im Öffentlichen” (auch FKK-Anhänger) – begründen ihre naturistische Weltanschauung nicht aus einer religiösen “Glaubensverordnung” heraus, es sei Gottes Wille, sich nicht zu verhüllen durch Kleidung, genauso wenig wie viele ethnische Bevölkerungsgruppierungen es handhaben. Weder Frau noch Mann würde benachteiligt, gleiches Recht der Selbstbestimmung zur Nacktheit. Staatliche und private Museen mit Galerien alter Kunstwerken sind voll von Nacktheit: Da gibt es unbekleidete Engel, vollbusige unverhüllte Damen, Herren, wie die Evolution sie schuf, eben Kleidermangel noch und noch.

Beiträge zur Debatte: In der Süddeutschen erscheint ein Artikel “Feminismus und Kopftuchdebatte” -  “Der nackte Zwang” – von Ingrid Thurner
“Von wegen Befreiung: Warum Highheels noch lange kein Zeichen für Emanzipation sind und das Kopftuch nicht unbedingt die Unterdrückung der Frau bedeutet.
Die einen sind fast nackt, die anderen fast gänzlich bedeckt. Aber nur der verhüllte Körper erhitzt die Gemüter und die Debatten, der unbekleidete ist uns keine öffentliche Erregung wert.
Als die muslimische Frau in der Öffentlichkeit sichtbar wurde, verwandelte sie sich in ein Problem. Sichtbar ist sie erst, seit sie begonnen hat, ihren Körper zu verstecken und damit selbstbewusst aufzutreten. Das tut sie nun seit einigen Jahren. Vorher verursachte sie keine Aufregung, keine Schlagzeilen und kein Engagement”
….weiter lesen….

Dagegen halten möchten wir allerdings die längst vergessenen Streitschriften von Esther Vilar, auch Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der Giordano-Bruno-Stiftung, die ab 1971 eine “Lanze bricht” für den westlichen Mann. “Sie drehte den Emanzipationsspieß um und entlarvte ihre Geschlechtsgenossinnen als hartgesottene Ausbeuterinnen des Mannes”. (Amazon)
…..lesen für Interessierte: Auszüge aus Esther Vilars klassischer Streitschrift zum Thema Mann und Frau von 1971

“Mitten in die Aufbruchsstimmung der Frauenbewegung Anfang der siebziger Jahre platzte Esther Vilar mit ihrer Streitschrift »Der dressierte Mann« und wurde zur Bestsellerautorin. Sie drehte den Emanzipationsspieß um und entlarvte ihre Geschlechtsgenossinnen als hartgesottene Ausbeuterinnen des Mannes”lesen im Internet

Sísifo: Es ist grundsätzlich dringend notwendig – und im besonderen Fall von Diskussionen über Ganzkörperverschleierung – , dass in den TV-Diskussionsrunden hierzulande in Deutschland, Österreich….  nicht nur die Vertreter von Politik, Kirche, Glauben und Esoterik überrepräsentiert sitzen, sondern Vertreter von Konfessionsfreien und Nicht-Religiösen verstärkt dazukommen, der Gruppe, die über ein Drittel zumindest der deutschen Bevölkerung ausmacht.

“Dokumente”:

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Burka-Verbot in Spanien

Madrid – Nach Frankreich und Belgien könnte auch Spanien bald das Tragen von Burka und Niqab in der Öffentlichkeit verbieten. Mit einer knappen Mehrheit von nur zwei Stimmen sprach sich der spanische Senat am Mittwoch in Madrid für den Antrag der konservativen Oppositionsparteien aus, muslimischen Frauen das Tragen von Vollschleiern in der Öffentlichkeit zu verbieten. Solche Vollschleier seien diskriminierend und verletzten die Würde der Frau, begründete die konservative Volkspartei ihren Antrag. Dieser wurde überraschend angenommen.

vergleiche Originaltext

Antrag angenommen – Spanien bereit für das Burka-Verbot

Nach Belgien und Frankreich soll auch in Spanien muslimischen Frauen das Tragen von Vollschleiern in der Öffentlichkeit verboten werden. Mit einer Mehrheit von nur zwei Stimmen votierte der Senat (Oberhaus) am Mittwoch in Madrid überraschend für einen Antrag der oppositionellen Volkspartei (PP), Burka und Nikab grundsätzlich aus dem Stadtbild zu verbannen. Vollschleier seien diskriminierend und verletzten die Würde der Frau, argumentierten die Konservativen.

weiter lesen im Originaltext

In DÄNEMARK kündigte die rechtsliberale Regierung Ende Januar an, die Verschleierung zu „bekämpfen”. Kopenhagen verzichtet zwar auf ein Gesetz, setzt aber darauf, dass Schulen, Behörden und Firmen so scharf wie möglich gegen die Vollverschleierung vorgehen…weiter lesen…

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Mehr als ein Stück Stoff –

Debatte über Burka Verbot hält an

Burka Verbot Heiliger Krieg gegen die Schweiz

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Sísifo – Weblog säkular humanistischer Weltbürger – Juni 2010


 
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