c. Namensmonopol
Namensmonopol “Amerika”
Abdruck dieses Artikels mit freundlicher Genehmigung vom Weblog: Compass1492 – Originalüberschrift: Namensmonopol “Amerika” und mehr..
Wir fragen uns, ob die Vereinigten Staaten von Amerika als ersten größeren machterweiterungs-politischen Akt über die Nationalgrenzen hinaus in ihrer ein halbes Jahrtausend Geschichte die Monopolisierung des Namens „Amerika“ „angemeldet“ haben könnten – vielleicht per Patentamt (?) – und diesen für sich als „Markenartikel“ für die “Neue Welt” gegenüber dem damaligen “Alten Europa” beanspruchten, nämlich für Freiheit, Gerechtigkeit, Recht und Gesetz? Oder wurde ihnen von außen „Amerika“ übertragen? Beides wird wohl wahrhaftes enthalten. Der Name „Amerika“ geht auf den Italiener Amerigo Vespucci zurück, der zur Zeit der Kolumbus-Fahrten 1499 sich auch einer Expedition in die Neue Welt anschloss, die an die Ostküste Südamerikas führte, während Christoph Kolumbus schon 1492 in der Karibik landete und annahm, Indien westwärts entdeckt zu haben. Vespucci glaubte als erster, dass dieses neue Land ein neuer Kontinent wäre und nicht wie Kolumbus dachte, ein Teil Indiens. So hielt man ihn für den „ersten offiziellen Entdecker Amerikas“ (nachzulesen unter Wikipedia, die freie Enzyklopädie, im Internet).
Der deutsche Kartograf Martin Waldseemüller erstellte 1507 eine neue Weltkarte und entschied, diesen Neuen Kontinent nach Vespucci „America“ zu nennen, und zwar den ganzen Kontinent. Schon interessant war, dass Vespuccis Vorname feminisiert wurde in Anlehnung an die „Dame Europa“. Es gab ja noch nicht einen Staat die „USA“, deshalb könnte man den US-Bürgern nicht vorwerfen, diese Namensbezeichnung „Amerikaner“ nicht anwenden zu sollen, es war Waldseemüllers “Schuld”. Doch klingt diese Staatsbürgerbezeichnung „Amerikaner“ auf der ganzen Welt so, als seien die US-Bürger ausschließlich die Amerikaner und die anderen Bewohner der Neuen Welt „Amerika“ untergeordnete Bindestrich-Amerikaner wie z.B. Mittel-Amerikaner, Süd-Amerikaner oder Latein-Amerikaner, könnten wir auch zusammenschreiben. Eigentlich sollte doch die geografische Variante „Nord-Amerikaner“ gerechter sein. Die Kanadier und Mexikaner sind ebenso Nord-Amerikaner wie die US-Bürger, aber sie sind nicht die Amerikaner.
Man stelle sich vor, die Deutschen wären die „Europäer“ und die Schweizer und Österreicher Mittel-Europäer? In Europa gibt es keine geografische Landmassenunterbrechung des Kontinents, ebenso wenig eine Landmassenteilung des gesamten Kontinents von Amerika. Nord-, Mittel- und Süd-Amerika sind geografisch (per gleicher Landmasse) verbunden, dann könnte man doch von allen Amerikanern sprechen. In weiten Bevölkerungskreisen spanisch- und portugiesisch sprechender Länder Lateinamerikas ist man inzwischen allerdings stolz, nicht „Amerikaner“ genannt zu werden. Sie sind stolz, Mexikaner, Panamesen, Kolumbianer, Chilenen, Argentinier oder Brasilianer zu sein (oder wenigstens Lateinamerikaner), ohne die anderen Bürger der nicht genannten Nationen zu vergessen.
Das Image des Bürgers der USA leidet weltweit sehr durch die vielen „falsch gelaufenen“ Entscheidungen – um es milde auszudrücken – so mancher US-Regierungen in der Geschichte dieser Nation und im aktuellen politischen Geschehen (frühere Invasionen in Mittel- und Süd-Amerika, Irak-Krieg, Distanz zur Unterzeichnung des Kyoto-Protokolls, Distanz zu Empfehlungen des Klimaberichts der UNO usw.). Wir gehören nicht zu denen, die ein ganzes Land pauschal verurteilen, besondern nicht die vielen friedliebenden, weltoffenen, lieben Menschen eines Landes. Genauso wenig möchten wir als Deutsche mit denen gleichgesetzt werden, die Hitlers Schergen waren, nationalsozialistisch dachten und agierten, nicht als danach geborene deutsche Kinder dieser Generation. Erbschuld tabu! Wir würden uns aber sehr freuen, wenn das nachbarschaftliche Verhältnis der Bürger der Vereinigten Staaten von Amerika zu allen südlichen Bewohnern des Kontinents Amerika – selbstverständlich der ganzen Welt gegenüber auch – noch respektvoller wäre, insbesondere den Nachbarn gegenüber, die sich auch hätten „Amerikaner“ nennen können.
Mitgefühl haben wir heute für so viele friedlich lebende Spanier, die sich so manches Mal noch in Lateinamerika bei den Angehörigen der Urbevölkerung (Aymaras, Guarani, Mapuches..) für die (spanische) brutale Eroberung und Tötung der Konquista vor 500 Jahren „genötigt“ sehen, sich entschuldigen zu wollen, sollen oder müssen. Wir halten nichts von dieser manchmal definierten (Erb) Schuld, einem Stigma gleichkommend. Außerdem raten wir beschuldigten Spaniern, jenen verurteilenden indigenen Bürgern oder Nachfahren präkolumbischer Völker, Inkas, Mayas, Atzteken zum Beispiel, sich an die Daten der Geschichte zu halten, dass nämlich diese indigene Staaten vor der Eroberung der Spanischen Konquistadoren und der Inquisition sich ebenso brutal gegenüber benachbarten Völkern verhielten als Sklavenhalterstaaten oder kriegstreibende Völkerschaften. Außerdem könnten die indigenen Nachfahren nicht mehr die Opfermorde an Kindern leugnen wollen, die Geschichte hat bereits diese religiös motivierten Morde als Wahrheiten aufgedeckt. Der eine Wahnsinn entschuldigt nicht den anderen. Doch die historischen Fakten dienen der Realitätsfindung, was geschah, vorausgesetzt man wäre an der Wahrheit interessiert, auch wenn sie noch so schmerzte.
Hasso Bensien, März 2008























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